Wenn ich früh morgens in meiner feinen, kleinen Küche stehe, während alles noch still ist, steigt oft ein Gefühl auf, wie früher in den Ferien. Freiraum und die Möglichkeit, etwas in meinem ganz eigenen Rhythmus zu tun, zu genießen.
Dieses Feriengefühl in der Stille des Morgens tut sich ganz unabhängig davon auf, was der Tag noch bringen mag. Es ist ein Hauch. Ein warmes Lüftchen im Sommer, wenn der Wein sich mit den ersten Sonnenstrahlen vor dem Fenster leise wiegt. Die Gemütlichkeit des prasselnden, alten Kohleofens im Winter, wenn die Kälte der Nacht langsam weicht. Da bin ich ganz ich. Wortlos zufrieden, kaum denkend, noch halb dem Traumland verhangen. Beglückt durch das Blubbern des Wasserkochers, mit dem ich mir „einfach so“ den Tee zubereiten kann, nach dem mich gelüstet. Hier erlebe ich eine tiefe, prickelnde Dankbarkeit. Sie steigt meine Wirbelsäule nach oben, bis ich schließlich lachen muss.

Der Rhythmus tat sich bei mir gestern plötzlich als Thema auf. Ich glaube, er kann einiges erklären. Frohmut und Depression, Gesundheit und Krankheit, Kraft und Erschöpfung.
Ich stelle mir das ein bisschen wie ein Pendel vor, das hin und her schwingt. Hin und her. Hin und her. Jeder von uns hat sein eigenes Pendel, und keines schwingt ganz gleich.
Schwingt unser Pendel frei, sind wir im Saft. Wir laden uns mit Energie auf, sind in uns Eins und auch sehr zufrieden und machen unser Tagewerk.
Pendel snagpic
Nur so ganz frei schwingt es eben oft nicht, oder?
Da kommt ein Arbeitsrhythmus daher, dessen Zeiten nicht ganz für uns stimmen. Oder wir haben ein Benimm gelernt, das unserem Pendel nicht den Raum bis zum Anschlag lässt. Beladen mit Fremdvorstellungen davon, wie und was wir sein sollten, egal, wie wir in Wirklichkeit ticken. Wir haben ja sogar selber oft ziemliche Illusionen davon, wer wir gerne wären, obwohl wir das überhaupt nicht sind.

Auch brauchen andere Menschen vielleicht gerade Hilfe von uns. Wir lassen uns auf ihren Rhythmus ein, ersetzen unseren gebrechlichen Eltern mit unserer eigenen Körperkraft die Hände, oder ziehen unsere Kinder groß. Zwischen Kindergarten, Kursen, Schule und Nachmittagsunterricht haben die ja fast schon mehr Termine einzuhalten, als wir selbst. Ob es für die Kinder aus Bullerbü nicht einfacher war, den eigenen Rhythmus überhaupt erst einmal zu finden? Jedenfalls verlieren wir den unseren zwischen all diesen zeitlich und inhaltlich vorgegebenen Fixpunkten ja auch bald wieder. Und – schwupps – sind wir innerlich aus dem Takt, ohne das überhaupt zu merken. Nur die Stimmung leidet darunter, Erkältungen schleichen sich an, und irgendwie fehlt etwas zum echten Glück.

Das Pendel stolpert. Bereits ein gutes Stück vor dem einen Anschlag wird es von Terminen angehalten und von den Wünschen des einen oder anderen flugs noch mal in die andere Richtung geschickt. Auch seinen zweiten Anschlag kann es nicht mehr erreichen, weil wir zuvor noch eine vermeintliche Pflicht zu erfüllen haben. Oder die Frequenz, mit der wir selber ticken, passt einfach nicht zur Auftragslage.

Gleichzeitig ist Faulenzen out. Einfach mal nichts tun, ohne sinnvollen Zeitvertreib, das Pendel wieder frei schwingen lassen? Das geht gar nicht.
Aber wie sollen wir an unsere Kraft kommen, wenn es nicht schwingen darf? Wenn es hier angetrieben wird und dort gestoppt?
Dann können wir unsere Speicher doch gar nicht mehr aufladen.
Burnout ist angesagt. Und ja auch durchaus modern und allseits akzeptiert.

Dabei halte ich nicht das Mindeste vom ebenfalls modernen Egostream. „Jetzt guck ich mal nur auf mich“ entspricht genauso wenig dem eignen Pendelschlag, wie zu viel getriebenes herum Gerenne. Weil die Harmonie sich nur dort einstellen kann, wo es irgendwie dann doch für alle passt. Kompromisse sind erlaubt! Das fordert allerdings ständige Aufmerksamkeit von uns. Bereitschaft, sowohl auf den anderen zu hören, als auch auf die eigenen Bedürfnisse. Das erfordert eine innere Wendigkeit und Beweglichkeit, stets neu auf neue Situationen einzugehen. Eigentlich ganz einfach. In unserem eingefahrenen Alltag, den wir dafür mal so richtig hinterfragen müssen, aber doch auch wieder fruchtbar schwer. Lebenskunst auf flexibel und liebevoll. Antidepressiva werden überflüssig, Schlaftabletten auch, und der Blutdruck geht von selber wieder runter.

Helfen können dabei ja auch maßgeblich die Pflanzen. Sie materialisieren die planetaren Schwingungen in sich und können uns zurück geben, was wir davon verloren haben. Sicher brauchen wir als Menschen deren gesunde Gesamtheit? Vielleicht erklärt dieses Spiel der Schwingungen sogar die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien. Weil die Schwingung es dort scheinbar schafft, über einen reinen Trägerstoff wie Wasser oder Alkohol zu uns zu gelangen. Auch, wenn wir nicht direkt an Stängel, Blüte oder Wurzel kauen.

Und maßgeblich helfen können wir selber uns gegenseitig dann, wenn wir als Helfer unseren eigenen Takt nicht nur intus haben, sondern ihn auch leben. Helfen kann dann bereits unsere bloße  Aufmerksamkeit und Berührung. Und vor allem das Wissen, dass echte Hilfe nicht aufgedrängt werden kann. Sondern nur angeboten. Damit sie im Takt dessen genommen werden möge, der sie empfangen will. Von solcherart weisen Menschen habe ich erst sehr wenige getroffen. Und jedes Mal bin ich berührt und anschließend wieder ein bisschen mehr ich selbst. Glücklicher.
Währenddessen hagelt es durchaus mit ungefragten Hilfsangeboten auf mich ein, hinter denen ich immerhin mit Freude die gute Absicht erkenne. Zugleich erlebe ich, wenn ich denn einmal freundlich „Nein, danke“ sage, dass dies oft entweder nicht akzeptiert oder vielleicht auch gar nicht verstanden wird. „Nun gut“, denke ich dann, „ich werde es schon überleben“. Fakt ist, dass aufgedrängte Hilfe in Wirklichkeit Energieraub ist. Zumindest dann, wenn wir uns als Empfänger nicht souverän zu verwahren wissen. Möglicherweise ist unsere Zeit für echte, gegenseitige Hilfe ja noch gar nicht reif?

Und haben wir ihn schließlich wieder, den Rhythmus unseres inneren Pendels, heißt es natürlich, fortan anders weiter zu machen. Passender zu uns selbst. Von wegen „Licht und Liebe“. Nach dem eigenen Rhythmus zu leben, bedeutet erst einmal eine Menge Verzicht und viele, innere Abschiede. Vom falschen Berufsbild. Vom falschen Bild von uns selbst. Von der falschen Vorstellung, was unbedingt sein müsse. Oder getan werden müsse. Oder wofür wir unbedingt gehalten werden müssten.
Unseren Mann haben wir dann zu stehen, oder unsere Frau. Wenn es darum geht, dass wir ticken dürfen, wie wir sind. Die falschen Vorstellungen geistern schließlich nicht nur in unseren eigenen Köpfen herum, sondern auch in denen unserer Umgebung. Sich ihnen entgegen zu stellen, ist nicht gerade leicht. Gleichzeitig auf die Bedürfnisse und den Pendelschlag unseres Gegenübers zu lauschen und ihm so gerecht zu werden, wie unserem eigenen, ist sogar noch schwerer. Zumal wir ja weiterhin darüber belehrt werden, wie wir es richtig machen könnten. Oder besser. Und überhaupt!

Trotzdem scheint mir das ein Weg für deutlich mehr Glück und Zufriedenheit. Täglich neu, Pauschalität ade. Richtig und falsch ade. Wir sind einfach kein Einheitsbrei. Sondern Menschen, die erst durch unsere Unterschiedlichkeiten eine phantastische Einheit bilden könnten – und vielleicht auch immer mehr können? Nicht durch weniger Authentizität, sondern ganz im Gegenteil durch mehr?
Herzliche Grüße!

Schweitzer_unterschrift