Ihr Lieben alle, an dieser Stelle möchte ich für etwas Verständnis werben.

Es ist verständlich, dass Eltern immer wieder aufs Neue und in immer kürzeren Abständen „nicht mehr können“.
Es ist verständlich, dass Kinder ihre Freunde und Bewegungsfreiheit auf das aller Schmerzlichste vermissen.
Es ist verständlich, dass die Existenzangst (Klein)Unternehmer und Selbstständige zunehmend lähmt und immer entsetzlichere Ausmaße annimmt.
Es ist verständlich, dass die Besuchsverbote weh tun.
Es ist verständlich, dass die Isolation dem/ der Einzelnen inzwischen in einem Ausmaß zusetzt, das den Alltag zu übertönen droht.
Es ist verständlich, dass Menschen überfordert sind und dass die Angst vor Ansteckung Blüten treibt.
Es ist verständlich, dass wir uns durch die Regelwerke eingeengt fühlen, die SARS-Cov-2 uns – umgesetzt durch die Politik – diktiert. Es ist verständlich, dass diese Regelwerke sich künstlich auf aufgesetzt anfühlen, weil niemand das Virus sieht.
Es ist verständlich, dass uns allen Nähe und Umarmungen mit und unter den besten Freundinnen oder Kumpels ganz entsetzlich fehlen.
Es ist verständlich, dass das Gefühl dieser Maske auf der Nase Angst auslöst. Und Atemenge.
Es ist verständlich, dass absolut niemand von uns mehr dieses Situation „will“.
Es ist verständlich, dass bereits immunisierte Menschen die einengenden Regelwerke im Alltag nicht unbedingt mitmachen wollen, wenn und sofern sie für sie persönlich unnötig sind.
Es ist verständlich, dass alle anderen deshalb Angst vor einer Klassenspaltung haben.
Es ist verständlich, dass rundherum Nerven blank liegen.

Diese Liste könnte ich noch ewig weiter führen. Wer mag, kann in den Kommentaren gerne weitere Punkte ergänzen, was in dieser unwirklichen Situation auf einmal alles verständlich wird 😊 Darüber würde ich mich freuen!

Worauf ich hinaus möchte:
Verständnis ändert nichts an den Tatsachen.
Aber es beeinflusst ganz immens die Stimmung!
Und damit beeinflusst es unmittelbar das Handeln des oder der Einzelnen.

Habt Verständnis mit euch selber, mit eurer Angst, mit eurer eigenen Überforderung. Und habt Verständnis mit allen Menschen um euch herum, die dieser Angst und Überforderung ebenso unterliegen wie ihr, die ebenso blanke Nerven haben und sich entsetzlich unwohl fühlen. Und habt Verständnis mit den „Blüten“, die diese Überforderung treibt.

Ich möchte ein Beispiel nennen: Keine Bargeldannahme mehr in manchen kleinen Läden. An mancher Stelle wird zum Boykott dieser Geschäfte aufgerufen. Das verstehe ich. Beide Seiten. Anmerken möchte ich, dass ich mich nicht frei fühle, wenn man mich unter allen Umständen so zahlen lässt, wie ich es am liebsten hätte. Sondern dass ich mich frei fühle, wenn ich souverän in der Lage bin, auf die Angst und Überforderung meines Gegenüber genauso einzugehen, wie auf meine eigene. Ja, ich zahle lieber bargeldlos. Aber ja, ich bin ohne Zweifel auch in der Lage, auf diese absonderliche Situation einzugehen, auf die Angst der Geschäftsführung Rücksicht zu nehmen und vorübergehend im ein oder anderen Laden nur noch mit Karte zu zahlen.

Wenn die Krise vorbei ist, möchte ich wieder bar zahlen können! Und dann werde ich mich dafür auch einsetzen! Nur: jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.
Das ist das, was alle so gerne „im Hier und Jetzt“ nennen. Dass man auf das eingeht, was hier und jetzt gerade ist. Und hier und jetzt ist eine Krise, die den Menschen Angst macht, sie überfordert und ihren Unmut erregt. Je mehr Verständnis wir – hier und jetzt – miteinander und für uns selber aufbringen, desto freundlicher und fröhlicher kommen wir alle durch die Krise hindurch.

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