Ein Beitrag vom 28. April 2020

Wenn ich in eigener Krankheit und bei der Arbeit mit Patienten eins gelernt habe, Ihr Lieben alle, dann das:
Man kann eine Krankheit nicht in Zahlen fassen.
Man kann die „beste Behandlungsstrategie“ beim Einzelnen nicht durch Zahlen ausdrücken.
Und man kann auch nicht durch bloße Zahlen ausdrücken, wie die Genesung läuft.
Es zählt so viel mehr! Man braucht Mut, Einfühlungsvermögen, eine irre Beobachtungsgabe, man braucht Intuition und Wissen gleichermaßen, man braucht einen kühlen Kopf und gleichzeitig ganz viel Gefühl.

Vielleicht ist diese Erfahrung der Grund dafür, dass ich der Zahlen müde bin, mit denen in den sozialen Medien herum gefuhrwerkt wird. Von den einen, weil sie beweisen wollen, dass es „nur so“ geht und von den anderen, weil sie beweisen wollen, dass es so ganz sicher falsch ist.

Zahlen sind wichtig. Ja.
Aber es gibt in jeder Krankheit auch all die anderen Dinge, die genauso wichtig sind.
Es gibt, je nachdem zu wem man mit einer Krankheit geht, oft sogar auch verschiedene Behandlungswege.
Ein solcher Weg sollte in sich stimmig sein!
Das ist viel wichtiger, als die Wahl des Weges, weil es oft mehrere Wege gibt.

Ich bin es müde, bei unzufriedenen Menschen zu lesen, dass sie anhand von bloßen Zahlen beweisen wollen, dass der aktuelle Weg unserer Regierung, mit dieser Erkrankung umzugehen, falsch ist.
Zumal die meisten dieser unzufriedenen Menschen die Zahlen überhaupt nicht deuten können, weil ihnen das fachliche Wissen fehlt.
Wie bei Trump zeigt sich, dass es vor allem das eigene Selbstbewusstsein zu sein scheint, das andere Menschen für ihre Meinung einnimmt. Die Fakten scheinen egal. Hauptsache, sie werden in voller Überzeugung dargebracht.

Anmerken möchte ich auch:
Wann ist ein Mensch unzufrieden?
Es liegt immer nur zum Teil an der Situation, der er ausgesetzt ist.
Zum anderen Teil liegt es an seinem eigenen (!) Umgang mit den Umständen.
Es wäre großartig, wenn die Unzufriedenen unter uns einmal den eigenen Umgang mit all den Maßnahmen hinterfragen, über die sie sich öffentlich aufregen.

Ich finde einen teilweisen Lockdown auch nicht toll!
Ich habe auch Angst um die Wirtschaft!
Aber ich weiß aus vielfacher Erfahrung, dass Krankheiten ihre Gesetzmäßigkeiten haben. Und dass es ganz unangenehm wird, wenn man sich ihnen nicht bis zur Ausheilung widmet, nur weil man Angst hat, dass man es wirtschaftlich hinterher nicht mehr schaffen könnte.
In Wirklichkeit ist die beste Methode, nicht nur sein Geld dauerhaft zu verlieren, sondern auch gleich noch das Leben, wenn man sich den Gesetzmäßigkeiten einer Krankheit verweigert.

Dieses Prinzip nennt man „Handeln aus Angst“ und manchmal auch einfach nur „Ungeduld“. Es führt niemals zu etwas Gutem.

Hugh …

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